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Schönes neues Web? Verlage zwischen web 1.0 und web 3.0.
Sind Verlage, und ich meine speziell Fach- und Wissenschaftsverlage, schon state-of-the-art?Oder schüren die aktuellen Veröffentlichungen und Diskussionen über die »Verlage 3.0« nicht noch zusätzlich – und unnötigerweise – die bereits verbreitete Unsicherheit?
Der Kollege Ehrhardt F. Heinold, Geschäftsführer bei Heinold, Spiller und Partner, hatte das brisante Thema web 2.0 schon zur Buchmesse erfolgreich besetzt und mit dem »Forum Innovation« zahlreiche Interessenten erreicht. Die Zukunft der Verlage müsse darin liegen, Netzwerke zu organisieren, Communities zu formen. Hier habe der Verlag, wie auch aus einem Interview mit dem buchreport.magazin hervorgeht, sich der aktuellen technischen Entwicklung und dem geänderten Medienverhalten der Kunden anzupassen.
»Verlage haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt, weil sie in Content, aber nicht in Kundenbedürfnissen gedacht haben«, so provoziert Heinold. Mag er damit die Verlage für das Thema auch sensibilisieren wollen, mir geht es für mein Verständnis etwas zu weit.
Zum einen bin ich mit der Steigerung Verlag 1.0, 2.0 und 3.0 nicht einverstanden. Der Superlativ mündet mit »Verlag 3.0« in einer Definition, die mit den verbreiteten Begrifflichkeiten zu web 2.0 bricht. Verlag 2.0 wäre die zutreffendere und verständlichere Bezeichnung gewesen. Diese benutzt Heinold jedoch für die Verlag, die sich des web 1.0 bedienen (CMS, CRM, e-paper, Foren), aber noch kein 2.0»Mittmachangebot« bereithalten. Und der Verlag 1.0 schließlich ist nach seiner Definition der klassische Printverlag.
Zum anderen hat Heinold in seinen Betrachtungen einen wichtigen Aspekt nicht berücksichtigt, und zwar das Verhalten der Verlagskunden. Das sind neben Buchhandel, Multiplikatoren, Presse, gerade im Wissenschaftsbetrieb die universitären und außeruniversitären Einrichtungen, und schließlich die Nutzer der Medien. Letztere formieren sich erst in jüngerer Zeit (wenn wir vom hochwissenschaftlichen oder technischen Netzwerker, der das Internet von Anfang an als Netzwerk nutzte, absehen) in virtuellen Communities und tauschen dort sich und ihre Lesezeichen, Bilder, Wissen, Dokumente, Kontakte untereinander aus.
So auch neuerdings in innovativen und richtungweisenden Vorhaben wie zum Beispiel der Wissenscommunity scilink.com oder der »Knowledge Sharing, Collaboration and Networking Platform – Insightory« oder schließlich in der von Elsevier eben installierten »science bookmarking site« 2collab.com, in der neben Favoriten auch Bibliografien von (Fach)Veröffentlichungen (mit)geteilt werden können. Diese Leser schätzen aber auch Konsistenz, in der ihre Verlage in der Vergangenheit qualitativen, relevanten und differenzierten Content aufbereiteten. Das Thema »User Generated Content« hingegen steht ja in einem paradoxen Verhältnis dazu und dem Anspruch der Fachverlage.
Oder kurz: da gibt es Zielgruppen, die fürchten Veränderungen wie der Belzebub geweihtes Wasser. Die Verlage wissen um die Chancen, die aktuelle Community- oder Bloglösungen in der Kundenbindung darstellen. Ihre Unsicherheit besteht in diesem Bereich weniger in der Planung als vielmehr in der Sorge, ihren Zielgruppen einen adäquaten Nutzen generieren zu können.
Der Verlag 3.0, so schließt Heinold, habe nicht mehr den Content, sondern vor allem den Kunden in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen zu stellen.
Ich behaupte, der Verlag der Zukunft, und das ist der Verlag 2.0, hat beides zusammenzuführen. Den Kunden und den Content. Punktgenau und zeitnah.